Was ich zwischen künstlichem Koma, Bikini-Bühne und meiner eigenen Küche über den weiblichen Körper gelernt habe.
von Andrina Santoro
Vor 5 Jahren habe ich meine erste Klientin gecoacht. Ich war 28, saß in meiner Wohnung in Zürich und war überzeugt, dass ich alles wusste, was man wissen muss.
Ich hatte Fitness-Wettkämpfe gemacht. Ich hatte einen Körper, den viele Frauen wollten. Ich hatte davor jahrelang alles falsch gemacht, was man falsch machen kann – bis hin zum künstlichen Koma, weil ich nicht auf meinen Körper gehört habe. Steroide, Medikamentenmissbrauch, Fitness-Wahn. Ich dachte, ich hätte das jetzt hinter mir und könnte anderen Frauen zeigen, wie es richtig geht.
Das meiste, was ich damals wusste, war für mich richtig und für alle anderen komplett unbrauchbar.
Ich habe 5 Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Über 2.000 Frauen später schreibe ich dir das hier auf. Nicht, weil ich alles perfekt gemacht habe. Sondern weil ich weiß, was ich mir vor 5 Jahren gewünscht hätte, dass mir jemand sagt.
Ich war die Frau, die um 5 Uhr aufgestanden ist. Die zweimal am Tag trainiert hat. Die ihr Essen abgewogen hat. Die nichts genossen hat.
Mein Körper hat irgendwann einfach aufgehört. Nicht metaphorisch – wortwörtlich. Ich bin zusammengebrochen und lag im Koma. Und trotzdem war mein erster Gedanke, als ich wieder aufgewacht bin: Wie schnell kann ich wieder trainieren?
Das war der Moment, an dem ich verstanden habe: Die Frauen, die zu mir kommen und sagen „ich muss härter werden mit mir" – die sind nicht ihrem Ziel näher. Sie sind auf demselben Weg, auf dem ich damals war. Nur noch nicht ganz so weit unten.
Ich habe jahrelang gedacht, mein Bauch ist ein Trainingsprojekt. Bis ich verstanden habe: Er war die ganze Zeit ein Cortisolprojekt.
Die Frauen, deren Bauch sich am schnellsten verändert, sind selten die, die am härtesten trainieren. Es sind die, die endlich schlafen. Die aufhören, jeden Tag Cardio zu machen. Die anfangen, zu Mittag zu essen statt einen Salat.
Wenn dein Bauch nicht reagiert, ist das keine Frage der Anstrengung. Es ist eine Frage der Erholung.
Das ist die Wahrheit, die mich am längsten gekostet hat.
Als ich bei der Bachelorette und Love Island war, habe ich noch gedacht, mein Körper wäre meine wichtigste Währung. Als ich Wettkämpfe gemacht habe, war mein Kalender komplett um Training organisiert. Alles andere hatte sich anzupassen.
Heute lebe ich anders. Ich gehe morgens spazieren, koche mit meinem Partner, trainiere 3 bis 4 Mal die Woche, mache Yoga, trinke am Wochenende Wein. Ich habe meine ästhetisch beste Version dann bekommen, als ich aufgehört habe, sie zum Zentrum meines Lebens zu machen.
Das ist auch das, was ich meinen Klientinnen sage: Wenn Fitness zur Identität wird, wird sie zum Gefängnis. Wenn sie zum Werkzeug wird, wird sie zur Freiheit.
Fast jede Frau, die sich bei mir meldet, hat schon alles versucht. WW, Keto, Intervallfasten, 90-Tage-Challenges, Apps mit rotem Punkt bei Butter.
Sie brauchen keinen weiteren Plan. Sie brauchen jemanden, der ihnen sagt, was sie weglassen dürfen. Wer das nicht versteht, coacht am eigentlichen Problem vorbei.
Ich weiß das, weil ich es umgekehrt versucht habe. Ich habe meinen Körper geformt und gehofft, dass mein Kopf mitkommt. Dass ich mich endlich gut fühlen würde, wenn ich nur genug abgenommen habe. Wenn die Muskeln nur definiert genug wären. Wenn die Bühne nur groß genug wäre.
Es hat nie funktioniert. Ich habe den Preis auf der Bikini-Bühne gewonnen und mich danach so leer gefühlt wie nie vorher.
Die Frauen, die bei mir wirklich ankommen – die nicht nur ein paar Kilos verlieren, sondern in einem Körper leben, in dem sie sich wiederfinden – die machen die Reise umgekehrt. Sie ändern zuerst, wie sie mit sich sprechen, wie sie sich sehen, wie sie sich behandeln.
Der Körper kommt nach. Immer.
Vor 5 Jahren habe ich zum ersten Mal eine Frau gecoacht. Heute schreibe ich dir das hier aus meinem Zuhause, mit meinen Katzen neben mir, meinem Partner in der Küche, und über 2.000 Frauen, die durch meinen Coaching-Prozess gegangen sind.
Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Es gibt keine Abkürzung, aber es gibt auch keinen Grund, sich den Weg schwerer zu machen, als er sein muss.
Danke, dass du 5 Jahre lang Teil davon warst.
Andrina
Zu meinem 5-jährigen Coaching-Jubiläum öffne ich noch einmal die Türen. Wenn du dabei sein willst, schreib mir.
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